Open Source hat keinen Vertragspartner
Sie nutzen Open-Source-Software in Ihren Produkten und Systemen. Sie sind dafür
regulatorisch verantwortlich. Aber Sie haben keinen Vertragspartner, der diese
Verantwortung mit Ihnen teilt. Das ist das Delegations-Paradoxon der digitalen
Lieferkette.
Das Problem
In einer klassischen Lieferkette funktioniert Verantwortung durch Verträge: Sie
vereinbaren mit Ihrem Zulieferer Qualitätsstandards, Reaktionszeiten,
Haftungsregelungen und Eskalationswege. Wenn etwas schiefgeht, haben Sie einen
Ansprechpartner und eine vertragliche Grundlage.
Bei Open Source existiert nichts davon:
- Sie können keine SLAs schließen. Es gibt niemanden, der Ihnen eine Reaktionszeit zusichert.
- Sie können keine Fristen setzen. Wenn eine Schwachstelle in einer Abhängigkeit auftaucht, können Sie den Maintainer bitten, sie zu beheben. Mehr nicht.
- Sie können keine Haftung übertragen. Open-Source-Lizenzen schließen Haftung und Gewährleistung in der Regel ausdrücklich aus.
- Sie haben keinen Einfluss auf die Entwicklung. Ob ein Projekt Ihre Sicherheitsanforderungen berücksichtigt, liegt nicht in Ihrer Hand.
- Sie haben keinen Eskalationsweg. Es gibt keinen Vorgesetzten des Maintainers, keine Beschwerdestelle, kein Vertragsstrafenmodell.
Gleichzeitig tragen Sie die volle Verantwortung. Die EU-Gesetzgebung macht hier
keine Ausnahme für Open Source.
Was sagen die Gesetze?
- DORA Art. 5 Abs. 2a: Das Leitungsorgan "trägt die letztendliche Verantwortung" für das IKT-Risikomanagement
- DORA Art. 28 Abs. 1: Finanzunternehmen bleiben "jederzeit voll verantwortlich" für IKT-Drittparteienrisiko
- NIS2 Art. 20 Abs. 1: Die Leitungsorgane müssen die Umsetzung von Cybersicherheitsmaßnahmen billigen und überwachen - persönlich
- § 38 Abs. 1 NIS2UmsuCG: Geschäftsleitungen sind verpflichtet, Maßnahmen umzusetzen und zu überwachen
- § 38 Abs. 2 NIS2UmsuCG: Geschäftsleitungen haften persönlich für schuldhaft verursachte Schäden
Die Verantwortung ist nicht delegierbar. Nicht an die IT-Abteilung, nicht an
einen Dienstleister und schon gar nicht an einen Maintainer, der keine
Verpflichtung Ihnen gegenüber hat.
Das Delegations-Paradoxon
Vorstände und Geschäftsführer stehen vor einer Situation, die es in klassischen
Lieferketten nicht gibt:
- Sie müssen die Risiken managen (gesetzliche Pflicht)
- Sie können die Risiken nicht an die Quelle delegieren (kein Vertragspartner)
- Sie dürfen die Verantwortung nicht einfach weitergeben (persönliche Haftung)
- Sie kennen die Risiken oft nicht einmal (weil die IT-Abteilung die SBOM noch nie angeschaut hat)
Das Ergebnis: eine persönliche Haftung für einen Zustand, den Sie nicht
überblicken und nicht durch Verträge absichern können. D&O-Versicherungen decken
Gesetzesverstöße typischerweise nicht ab - die Lücke bleibt bei Ihnen.
Was bedeutet das für Sie?
Sie brauchen einen strukturierten Gegenpart für Ihre
Open-Source-Lieferkette. Nicht jemanden, der Ihnen die Verantwortung abnimmt -
das ist regulatorisch unmöglich. Sondern jemanden, der die Lücke zwischen "volle
Verantwortung" und "null Einfluss" schließt: mit dokumentierten Prozessen,
messbaren Ergebnissen und prüffähigen Nachweisen.
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