Web-, Digital- und Creative-Agenturen
Sie bauen Websites, mobile Apps, Online-Shops, Kundenportale, CRM-Lösungen
und Kampagnen-Plattformen. Ihre Kunden sind Marken, Mittelstand,
Konzerne. Sie liefern kreative Konzepte plus technische Umsetzung und
betreuen Projekte oft über Jahre weiter.
Aus regulatorischer Sicht sind Sie an einer bemerkenswerten Position: Sie
entwickeln und liefern Software-Produkte in der gesamten Bandbreite von
einfachen Corporate-Websites bis zu hochkritischen Finanz- und
Gesundheits-Anwendungen. Die juristische Einordnung dieser Arbeiten
unterscheidet sich erheblich - und die meisten Agenturen wissen das nicht.
Typische Projekte und ihre regulatorische Einordnung
Corporate-Websites
Eine reine Darstellungs-Website ohne Login, ohne Formularverarbeitung,
ohne Datenverarbeitung fällt tendenziell nicht unter den
CRA. Sobald aber Kontaktformulare personenbezogene
Daten verarbeiten, Newsletter-Tools integriert sind oder ein Login-
Bereich existiert, wird aus der Website ein "Produkt mit digitalen
Elementen" nach Art. 3 Nr. 1 CRA.
Die Produkthaftung
greift unabhängig davon bei jeder Auftragsentwicklung, sobald die
Software kommerziell geliefert wird.
Mobile Apps
Mobile Apps sind eindeutig Produkte mit digitalen Elementen im Sinne des
CRA. Sobald sie in einem App Store veröffentlicht werden - egal ob unter
Ihrem Namen oder dem Namen des Kunden - gelten sie als "in Verkehr
gebracht". Die Pflichten aus dem CRA greifen damit unmittelbar.
Typische Beispiele: Event-Apps, Loyalty-Apps, Service-Apps, Bestell-Apps,
Schul- und Bildungs-Apps. Apps, die Zahlungen verarbeiten oder Daten an
Kernsysteme weiterreichen, unterliegen verschärften Sorgfaltspflichten.
Online-Shops und E-Commerce
Shops verarbeiten personenbezogene Daten, Zahlungen und oft
Gesundheits- oder Altersinformationen. Sie fallen klar unter den CRA. Die
Produkthaftung erfasst sie umfassend - bei Datenlecks oder fehlerhaften
Bestellprozessen greift Art. 6 Abs. 1 lit. c der neuen
Produkthaftungsrichtlinie (Datenverlust als Haftungsgrund).
Login-geschützte Portale - Händlerportale, Investor-Relations-Bereiche,
Kunden-Self-Service-Plattformen - sind fast immer CRA-relevant, weil sie
Authentifizierung und Datenverarbeitung kombinieren.
Online-Leasing, Kreditrechner, Versicherungsabschluss
Wenn Sie solche Plattformen für Finanzdienstleister bauen, arbeiten Sie an
einem kritischen IKT-System im Sinne von
DORA. Ihr Kunde fällt unter DORA, Sie werden
IKT-Drittdienstleister, und die gesamte Lieferantensteuerung nach
Art. 28 DORA greift. Das ist der härteste Fall,
den eine Agentur erreichen kann.
CRM-Systeme und Marketing-Automation
CRM-Integrationen verarbeiten Kunden- und oft auch Finanzdaten. Je nach
Ausgestaltung sind sie Produkte mit digitalen Elementen. Als Lead-Agentur
für ein CRM-Projekt stehen Sie an zentraler Stelle in der
Kundenlieferkette - und werden bei NIS2-Kunden in der Lieferantenbewertung
prominent behandelt.
Welche Gesetze greifen bei welchen Kunden
Zwei Gesetze greifen immer - unabhängig davon, in welchem Sektor Ihre
Kunden tätig sind:
- Produkthaftungsrichtlinie (RL 2024/2853) erfasst jede Auftragsentwicklung, sobald Software kommerziell geliefert wird. Die Richtlinie nennt Entwickler ausdrücklich als Hersteller (Art. 8), Datenverlust ist eigener Haftungsgrund (Art. 6 Abs. 1 lit. c), eine Haftungsobergrenze gibt es nicht (Art. 12). Das trifft Sie bei jedem Projekt - von der Corporate-Website bis zur Banking-App.
- Cyber Resilience Act (VO (EU) 2024/2847) greift, sobald Ihre Lieferung ein "Produkt mit digitalen Elementen" ist (Art. 3 Nr. 1) - also praktisch bei jeder App, jedem Shop, jedem Kundenportal und bei jeder Website mit Datenverarbeitung. Art. 13 Abs. 5 verlangt "gebotene Sorgfalt" bei FOSS-Integration, Art. 14 regelt Meldepflichten für Schwachstellen.
Zwei weitere Gesetze kommen hinzu, sobald Ihre Kunden in regulierten
Sektoren tätig sind:
- Finanzkunden (Banken, Versicherungen, Leasing-Unternehmen, FinTechs) bringen DORA-Anforderungen aus der Kundenbeziehung mit. Das sind die härtesten Anforderungen - Informationsregister, Due Diligence, Ausstiegsstrategie, TLPT-Einbezug.
- Energie- und Versorgungsunternehmen (Stadtwerke, Netzbetreiber, Gasversorger) bringen NIS2-Anforderungen aus der Kundenbeziehung als wesentliche Einrichtungen.
- Gesundheit, Krankenhäuser, Pharma bringen NIS2-Anforderungen aus der Kundenbeziehung plus besonders hohe Datenschutz-Anforderungen.
- Automotive, Halbleiter, Industrie bringen NIS2-Anforderungen aus der Kundenbeziehung als wichtige Einrichtungen.
- Öffentliche Verwaltung, Bund, Länder, DLR-artige Einrichtungen bringen NIS2-Anforderungen aus der Kundenbeziehung als öffentliche Verwaltung.
- Logistik und Transport sind NIS2-Sektor.
- Schulen und Bildungseinrichtungen sind zwar nicht unmittelbar NIS2-Sektor, aber Datenschutz für Minderjährige verschärft die Haftung unter Produkthaftungsrichtlinie.
Schon eine einzige Referenz aus einem dieser Sektoren reicht, um Ihre
gesamte Agentur in die Compliance-Betrachtung Ihrer Kunden zu ziehen.
Konkrete Konsequenzen
Rechtlich stehen auf dem Spiel:
- Haftung ohne Obergrenze nach der Produkthaftungsrichtlinie, insbesondere bei Datenverlust (Art. 6 Abs. 1 lit. c, Art. 12)
- Bußgelder bis 15 Mio. Euro oder 2,5 % des Jahresumsatzes nach CRA (Art. 64)
- Verlust des EU-Marktzugangs für betroffene Produkte, wenn der CRA nicht erfüllt ist (Art. 52, 53 CRA)
- Meldepflichten innerhalb von 24 Stunden bei aktiv ausgenutzten Schwachstellen (Art. 14 CRA)
- Verlust des gesamten Finanzkunden-Segments, wenn Sie DORA- Anforderungen gegenüber einem Banken- oder Versicherungskunden nicht erfüllen können
- Persönliche Haftung der Geschäftsleitung bei grober Sorgfaltsverletzung
Vertraglich werden Ihre Kunden verlangen:
- Dokumentierte Sicherheitsstrategie (schriftlich, überprüfbar)
- SBOM für jedes gelieferte Projekt
- Schwachstellenmeldung innerhalb vertraglich vereinbarter Fristen
- Incident-Response-Verfügbarkeit, oft 24/7
- Ausstiegsszenario und Übergabedokumentation
- Haftpflichtversicherung in relevanter Höhe
Operativ müssen Sie etablieren:
- Ein Responsible-Disclosure-Kanal (security.txt, dokumentierter Prozess)
- Kontinuierliches Monitoring der in Projekten eingesetzten Open-Source-Komponenten
- Ein Patch-Management für laufende Projekte, auch Jahre nach Projektabschluss
- Reaktionsfähigkeit auf Schwachstellenmeldungen aus der Community
Finanziell kommt auf Sie zu:
- Kosten für dokumentierte Prozesse und Zertifizierungen
- Laufende Wartungskapazität, die Sie bisher pro Projekt abrechnen konnten und jetzt als Grundlast tragen müssen
- Haftungsrisiko nach Produkthaftungsrichtlinie ohne Obergrenze
Sicherheit ist auch ohne Pflicht ein Wettbewerbsvorteil
Selbst wenn keiner Ihrer Kunden in einem regulierten Sektor arbeiten
würde, wäre es klug, diese Prozesse aufzubauen. Agenturen stehen in
einem dichten Wettbewerb - Verantwortung und Professionalität heben
Sie heraus. Wer im Pitch nachweisen kann, dass er seine Lieferkette
kennt, Schwachstellen aktiv behebt und auf Meldungen reagiert, wirkt
nicht wie eine Kreativbude, sondern wie ein Partner auf Augenhöhe.
Das bringt konkret: bessere Abschlussquoten bei anspruchsvollen Kunden,
höhere Tagessätze, weniger Reibung im Projekt, günstigere
Versicherungsprämien und Schutz der eigenen Marke vor Vorfällen. Die
gleichen Prozesse, die Sie für die Regulierung brauchen, machen Sie
auch im Markt besser.
Wie OTTRIA Agenturen hilft
OTTRIA ersetzt nicht Ihre Entwicklungsarbeit. Wir übernehmen den Teil, der
nach den neuen Gesetzen dazukommt - und der nicht Ihr Kerngeschäft ist:
- SBOM-Analyse und -Pflege für jedes Projekt, das Sie ausliefern, einschließlich aller transitiven Abhängigkeiten
- Kontinuierliches Vulnerability-Monitoring aller eingesetzten Open-Source-Komponenten - auch Jahre nach Projektabschluss
- Silent-Fix-Detection durch aktive Code-Analyse in den Projekten, die Sie einsetzen
- Responsible-Disclosure-Kanal und koordinierte Offenlegung als Service
- Auditfähige Dokumentation für Ihre Kunden - vorlegbar bei Lieferantenbewertungen, DORA-Due-Diligence und NIS2-Zulieferer-Prüfungen
- Behebung direkt im Open-Source-Projekt, wenn Schwachstellen auftreten, die Sie nicht selbst beheben können
- Frühwarnung durch OTTRIAs Rolle als Open Source Steward - Sie erfahren von Schwachstellen, bevor sie öffentlich werden
Sie bleiben Ansprechpartner für Ihren Kunden. OTTRIA liefert die
Nachweise, die Ihre Kunden unter CRA, DORA und NIS2 einfordern müssen.
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